Artikel zuletzt aktualisiert am 17.11.2020

Elektrische und elektronische Produkte werden an unterschiedlichen Einsatzorten verwendet. Die Bedingungen bei der Verwendung weichen meist deutlich voneinander ab. In geschlossenen Räumen, wie im Haushalt, einem Büro oder einer Werkstatt sind weniger strenge Anforderungen an die Geräte zu stellen. Anders im Freien, bei gewerblicher Verwendung oder auf einer Baustelle. Noch erheblicher sind die Belastungen in der Industrie, wenn Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit, Laugen, Kraftstoffe oder Öle die Komponenten und Bauteile von Werkzeugen schädigen können.

Zusätzlich können Fremdkörper die Funktion der Betriebsmittel beeinträchtigen. Gleiches gilt für Staub oder Stöße. Um für Industrie, Handel und Verbraucher verbindliche und international einheitliche Normen festzulegen, wurden die IP-Klassifizierungen definiert. So ist jederzeit feststellbar, für welche Umgebung das Gerät konzipiert wurde. Auch ein Laie kann so mit einem Blick auf die Herstellerangaben feststellen, ob das Produkt für seine Zwecke verwendbar ist.

Auch für die Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Einwirkungen gibt es Normen. Zu beachten sind solche Merkmale bei der Installation von Gehäusen oder elektrischen Einrichtungen. In einer Sporthalle kommt es beispielsweise vor, dass die Nutzer die Objekte bisweilen erheblichen Beanspruchungen aussetzen. Die Installation wird etwa von einem Ball getroffen oder einem strauchelnden Sportler. Für den öffentlichen Raum sind auch absichtliche Stöße und Vandalismus in den Normen qualifiziert.

Gefahrenhinweis zu Arbeiten der Elektrotechnik

Die Elektrotechnik ist ein Bereich der sogenannten gefahrengeneigten Handwerken. Das heißt, Heimwerker dürfen hier nicht alle Arbeiten selbst durchführen, sondern müssen dies mit einem Fachelektriker tun. Bitte informieren Sie sich im Vorfeld, welche Arbeiten Sie eigenständig durchführen dürfen. In unserem Ratgeberartikel zum Thema „Elektroinstallation selber machen“, finden Sie wichtige Informationen.

Was bedeutet IP und wofür steht es?

Die Bezeichnung IP ist eine Abkürzung für „International Protection“. Im englischen Sprachraum findet sich auch der Begriff „Ingress Protection“, übersetzt „Schutz vor Eindringen“. Mit dem Kürzel IP sind immer zwei Ziffern verbunden, die eine genaue Klassifizierung der Schutzart angeben. In der in Deutschland gültigen Norm DIN EN 60529 sind diese Kennziffern definiert, die internationale Norm trägt die Bezeichnung ISO 20635.

Schutzart und Schutzklasse

Eine Schutzart gibt die Widerstandsfähigkeit eines elektrischen Werkzeugs oder Betriebsmittels gegen Stöße oder Feuchtigkeit an. Die entsprechende internationale Norm IEC 62262 kennt zehn verschiedene Schutzgrade.

Mit den Schutzklassen sind Sicherheitsstandards festgelegt, die den Hersteller zu besonderen Standards bei der Produktion der Geräte verpflichtet. So müssen alle Einzelteile eines elektrischen Geräts ausreichend isoliert sein, um auch bei einer Fehlfunktion Unfälle auszuschließen. Außerdem darf am Gehäuse keine gefährliche Spannung anliegen. Vier Schutzklassen sind in der Norm DIN EN 61140 (VDE 0140-1) festgelegt.

Der Unterschied zwischen den beiden Bezeichnungen

Häufig werden die beiden Begriffe vermischt oder miteinander verwechselt. Mit der IP Schutzart ist der Schutz eines Gehäuses gegen Eindringen von Wasser oder von Fremdkörpern gemeint. Die Schutzklasse hingegen bezieht sich auf die Maßnahmen des Herstellers gegen Spannungen, die beim Berühren Gefahren hervorrufen können. Eine IP Schutzklasse gibt es deshalb streng genommen nicht. Die Schutzarten befassen sich also im Wesentlichen mit mechanischen oder chemischen Einflüssen und den verwendeten Materialien. Schutzklassen meinen die elektrische Konstruktion.

Leider kommt es immer wieder vor, dass von einer IP Klasse die Rede ist. Gemeint ist dann aber die IP Schutzart. Sogar unter Fachleuten ist diese fehlerhafte Bezeichnung verbreitet. Und gleichzeitig weiß jeder, dass die Schutzart gemeint ist.

Welche IP Schutzarten gibt es?

Auf das Kürzel IP folgen immer zwei Ziffern, um die jeweilige Schutzart zu benennen. Den Schutz gegen Berühren und gegen etwaige Fremdkörper bezeichnet die erste Ziffer. Mit der zweiten wird der Schutz gegen Feuchtigkeit und Wasser angegeben. Schutzarten von IP00 bis IP69 und IP69K sind festgelegt.

Die Bedeutungen der ersten Ziffer

Im Folgenden sind die Bedeutungen der ersten Kennziffer der IP-Norm aufgelistet. In der nationalen Norm DIN EN 60529 und im internationalen Code ISO 20653 sind die Schutzarten weitgehend identisch. Allerdings ergänzt ISO 20635 für die beiden letzten Arten den Buchstaben K.

KennzifferSchutz gegen Berührung – Schutz gegen Fremdkörper
0Kein Schutz – Kein Schutz
1Geschützt bei großflächigen Berührungen mit dem Handrücken – Geschützt gegen Fremdkörper ab 50 mm Durchmesser
2Geschützt bei Berührungen mit einem Finger – Geschützt gegen Fremdkörper ab 12 mm Durchmesser
3Geschützt bei Berührungen mit Draht oder Werkzeug – Geschützt gegen Fremdkörper ab 2,5 mm
4Geschützt bei Berührungen mit Draht oder Werkzeug – Geschützt gegen Fremdkörper ab 1,0 mm
5Geschützt bei Berührungen – Gegen Ablagerungen von Staub im Innern
6Geschützt bei Berührungen – Bei Eintritt von Staub (staubdicht)
Die erste Ziffer nach dem IP (Bsp.: IP20) definiert den Schutz gegen Berührung und gegen Fremdkörper, hier also gegen Berührungen mit dem Finger und gegen Fremdkörper ab 12 mm Durchmesser.

Die Ziffer Zwei des IP-Codes

Die zweite Ziffer des IP-Codes im Anschluss. Auch hier sind DIN EN 60529 und ISO 20653 wieder überwiegend gleichlautend. Mit dem Unterschied, dass nach der ISO 20653 die Schutzarten 4, 6 und auch 9 (erhöhte Anforderungen für Straßenfahrzeuge) um den Buchstaben K erweitert sind.

KennzifferSchutz gegen Feuchtigkeit und Wasser
0Nicht geschützt
1Geschützt bei senkrecht fallendem Tropfwasser
2Geschützt bei schräg fallendem Tropfwasser bis maximal 15 Grad
3Geschützt bei schräg fallendem Tropfwasser bis maximal 60 Grad
4Geschützt bei Spritzwasser aus diversen Richtungen
5Geschützt bei Strahlwasser, Richtung beliebig
6Geschützt bei starkem Strahlwasser
7Geschützt bei Untertauchen bis maximal 30 Min.
8Geschützt bei dauerhaftem Untertauchen
9Geschützt bei Hochdruckreinigung
Die zweite Ziffer nach dem IP (Bsp.: IP20) definiert den Schutz Feuchtigkeit und Wasser. Bei IP20 besteht demnach kein Schutz.

Die IP-Codes in der Praxis

Der Anwender hat mit einem Blick auf den IP-Code sofort einen Eindruck, ob ein Werkzeug, eine Installationskomponente oder ein Betriebsmittel für seine Zwecke sinnvoll eingesetzt werden kann.

Zum Beispiel verfügt die Schutzart IP22 über einen eingeschränkten Schutz gegen Feuchtigkeit. Gegen Fremdkörper besteht ein Schutz, wenn sie größer als 12,5 mm sind. Dies gilt etwa für Fliegen.

IP65: Das Betriebsmittel ist staubdicht, und es ist geschützt auch bei schwerer See. IP66 bedeutet, das Objekt ist wasserdicht. Eine entsprechende Dichtung verhindert, dass Wasser eindringen kann. Staub kann ebenfalls nicht in das Innere gelangen.

Bei einem Produkt, das mit IP44 klassifiziert wurde, besteht ein Schutz gegen allseitiges Spritzwasser und gegen ein Eindringen fester Fremdkörper, die größer sind als 1 mm. IP54 bedeutet, es besteht ein vollständiger Berührungsschutz, und – an der zweiten Position ebenfalls eine Vier – Spritzwasser kann dem Gerät von keiner Seite etwas anhaben. Bei IP67 bleibt Staub draußen, Berührungen haben keine Auswirkungen, ein Untertauchen in Wasser schadet dem Gerät ebenfalls nicht.

Die Schutzklassen und ihre Bedeutung

Die vom Hersteller getroffenen Sicherheitsvorkehrungen werden bei elektrotechnischen Geräten Schutzklassen zugeordnet. Es geht hier um Maßnahmen, die Stromunfälle durch Überspannung oder einen elektrischen Schlag verhindern. Betriebsmittel oder elektrische Werkzeuge verfügen oft über ein metallisches Gehäuse. Durch einen Isolationsschaden kann am Gehäuse Spannung anliegen. Der Anbieter hat bei der Konstruktion die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um lebensgefährliche Situationen zu verhindern.

Die Schutzklassen informieren den Kunden über die Sicherheitsmaßnahmen, die der Hersteller bei der Konstruktion vorgenommen hat. Die Normen EN 6114 und VDE 0140-1 geben im einzelnen Auskunft über die Klassifizierungen. Wenn die Betriebsmittel mit Symbolen zu kennzeichnen sind, gilt IEC 60417. Vier Schutzarten sind vorgegeben, und die Klassen I bis III sind besonders aussagefähig.

Die Schutzklasse 0

In dieser Klasse verfügen die Betriebsmittel nur über eine minimale Basisisolierung. Besondere Vorkehrungen gegen einen eventuell auftretenden elektrischen Schlag wurden nicht getroffen. Der Anwender hat in der Betriebsumgebung für die nötige Sicherheit zu sorgen. Für diese Schutzklasse ist keine besondere Kennzeichnung vorgesehen, Symbole sind deshalb nicht gefordert. In der zu erwartenden internationalen Norm wird die Klasse 0 nicht länger enthalten sein. In Deutschland sowie in Österreich sind Geräte mit dieser Klassifizierung nicht zulässig.

Die Schutzklasse I

In der Klasse I sind die Geräte mit einer Schutz-Erdung ausgestattet. Alle leitfähigen Gehäuseteile wurden vom Hersteller durch einen Schutzleiter mit der Elektroinstallation verbunden. Mobile Geräte verbindet man über einen dreipoligen Schutzkontaktstecker mit dem Stromnetz. Wenn im Fehlerfall das Gehäuse mit einem stromführenden Leiter Kontakt hat, ergibt sich ein Körperschluss. Die Sicherung oder der FI-Schalter lösen aus und das Gerät ist spannungsfrei.

Die Schutzklasse II

Zwischen den aktiven Komponenten des Werkzeugs und den Teilen, die der Anwender während des Betriebs berührt, gibt es hier eine verstärkte oder doppelte Isolierung. Besitzen die Geräte eine elektrisch leitende Oberfläche, hat diese keine Verbindung zum Schutzleiter. Für den Anschluss werden deshalb zweipolige Konturenstecker – oder Eurostecker ohne den Schutzkontakt – verwendet.

Die Schutzklasse III

Die Schutzklasse III umfasst Geräte, für die eine Versorgung mit Kleinspannung ausreicht. Das bedeutet, die Wechselspannung beträgt maximal 50 Volt, die Gleichspannung niemals mehr als 120 Volt. Für einen Erwachsenen sind diese Ströme niemals lebensbedrohlich.

Die IK Schutzart

Auch die Beanspruchung eines Elektroartikels durch äußere Einwirkungen, etwa durch Schläge oder Stöße, ist in einer internationalen Norm verbindlich klassifiziert. Gemeint ist sowohl die reguläre Nutzung als auch ein mutwilliges Einwirken. Mit dem IK-Code ist die Stoßfestigkeit nach IEC 62262 entsprechend der Schlagenergie in Joule in 10 Stufen aufgelistet.

IK-CodeMaximale Stoßfestigkeit (Schlagenergie in Joule)
IK00Stoßfestigkeit nicht vorhanden
IK01bis 0,15 Joule
IK02bis 0,20 Joule
IK03bis 0,35 Joule
IK04bis 0,50 Joule
IK05bis 0,70 Joule
IK06bis 1,00 Joule
IK07bis 2,00 Joule
IK08bis 5,00 Joule
IK09bis 10,0 Joule
IK10bis 20,0 Joule
Der IK-Code gibt die Widerstandsfähigkeit eines Elektroartikels gegen Schläge und Stöße an.

Anwendungsbeispiele: Welche Schutzart bei welcher Installation?

Der Schutzbereich Bad

In einem trockenen Innenraum ist ein Schutz gegen Feuchtigkeit nicht besonders zu berücksichtigen. Der Handwerker kann in dieser Umgebung auch auf eine LED mit IP20 zurückgreifen. Denn die bietet keinen Schutz bei eindringendem Wasser, was hier aber ohnehin nicht zu erwarten ist. Deshalb ist es hier auch irrelevant, wenn die Deckenleuchte Schutzklasse 0 als Einstufung aufweist.

Im Badezimmer liegen die Dinge jedoch anders. Wasserdampf und Spritzwasser, sogar anhaltende Feuchtigkeit sind hier zu erwarten. Und jeder weiß, dass sich Wasser und Strom nicht vertragen. Im Bad gelten außerdem jeweils andere Schutzarten für verschiedene Einbausituationen. Generell sollte beachtet werden, welcher Schutzklasse Lampen und Anschlüsse zugeordnet sein sollten.

In der Nähe von Wasserquellen, also beim Waschbecken, der Dusche oder in der Nähe der Badewanne sind Leuchten mit IP44 die richtige Wahl. Denn – wir erinnern uns – diese sind geschützt gegen Spritzwasser.

Strahlwasser ist hingegen eine höhere Kategorie. Im Bad ist über der Badewanne mit einem derartigen Wasseraufkommen zu rechnen. Lampen mit IP65 verfügen über einen entsprechenden Schutz und dürfen eingebaut werden.

Innerhalb einer Badewanne – auch dort werden mitunter Leuchtmittel eingelassen – oder einer Dusche sollte der Installateur auf Tauchwasser eingestellt sein. Die Klassifizierung mit IP67 ist mindestens einzubauen. Und eine maximale Betriebsspannung von 12 Volt bei Gleichspannung wird vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Bei Wechselstrom sind nur 30 Volt erlaubt.

Weitere Fragen zum Thema Einbauleuchten im Bad – von den wichtigsten Fragen hin zu einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einbau – thematisieren wir in unserem Artikel zum Thema „Einbauleuchten im Bad“.

Sie interessieren sich für LED-Deckenspots im Badezimmer? Hier finden sie weitere Informationen zum Einsatz von Deckenspots im Bad.

Die Außenbeleuchtung und der IP-Schutz

Auch im Außenbereich gelten unterschiedliche Vorgaben für bestimmte Einbauorte. Meist ist aber keine hohe Sicherheitsstufe erforderlich. Vollkommen ausreichend sind LEDs mit der Schutzart IP23, wenn sie am oder unterhalb des Daches, eines Vordaches oder des Balkons montiert werden. Denn Überdachungen halten den Regen (Spritzwasser) zuverlässig von den Leuchtmitteln fern.

Wird eine Lampe aber an einer Hauswand angebracht, ist sie bisweilen dem Regen direkt und anhaltend ausgesetzt. Für die besonderen Belastungen sind dann höhere Schutzarten erforderlich. Eine Empfehlung für diesen Einbau ist die IP44. Der Spritzwasserschutz ist allseitig, Insekten oder Spinnen können sich nicht einnisten. Auch für die Beleuchtung der Wege sollten Leuchten dieser Schutzart gewählt werden, denn sie sind der Witterung ständig unmittelbar ausgesetzt. In der Nähe des Gartenteiches oder eines Springbrunnens ist IP67 die richtige Wahl. Gegen vorübergehendes Eintauchen ins Wasser sind die Lampen dann geschützt. Kommen Unterwasserstrahler zum Einsatz, sollte die Lampen der Norm IP68 entsprechen.

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